Coffee Ruanda Stories

Als Judge beim „Cup of Excellence Rwanda 2018“

Wenn man in Kigali aus dem Flugzeug steigt, dann merkt man sofort, dass man am anderen Ende der Welt angekommen ist. Als erstes riecht man es. Eine leichte Note von verbranntem Holz ist in Kigali immer wahrzunehmen. Als nächstes fühlt man es auf der Haut. Die Luft ist warm und weich. Hier vibriert der Boden. Vielleicht merkt man es dann auch noch im Flughafengebäude, denn alles wirbelt hier ein bisschen mehr durcheinander, hat seinen eigenen Rhythmus. Einen sehr besonderen, der einen einfach mitnimmt, raus aus dem Flughafen, rein ins Auto und ab in den Straßenverkehr, in dem ich persönlich mich nicht trauen würde, ein Lenkrad in die Hand zu nehmen.

In der Regel fährt man hier zwar auch rechts, aber was ist schon die Regel? Als Taxen nutzen die Ruander Roller und Motorbikes statt Autos. Die Fahrer finden ihre eigenen Wege, überholen Autos rechts und links, biegen nach links ab, obwohl sie sich rechts eines Autos befinden oder ziehen über alle Spuren, um im Kreisverkehr von ganz innen nach ganz außen zu kommen. Das Fahrverhalten scheint aber auch niemanden zu stören – es wird eben etwas mehr gehupt, um sich bemerkbar zu machen.

Dass in Ruanda alles seinen eigenen Gang hat, merke ich immer dann, wenn es um Zeiten und Distanzen geht. Das wird hier nicht ganz so genau genommen. Da dauert eine Autofahrt, die für zweieinhalb Stunden angesetzt war, dann eben mal vier. Dafür gibt es aber auch jede Menge zu sehen. Vor allem das immer bunte Treiben auf den Straßen, aber auch die vielen Berge Ruandas, die Kaffee-, Tee- und Reisplantagen und wunderschöne Sonnenuntergänge.

Aber in erster Linie gibt es für mich auf dieser Reise jede Menge Kaffee zu verkosten und zwar die besten, die dieses Land zu bieten hat! Als Jurorin in der internationalen Jury des „Cup of Excellence Rwanda“ darf ich die 40 besten Kaffees des Landes probieren und bewerten.

Der Cup of Excellence findet jedes Jahr in einigen Kaffee produzierenden Ländern statt und jeder Produzent darf seinen Kaffee einreichen. Dieses Jahr wurden über 380 verschiedenen Kaffees eingereicht und dann zunächst von einer nationalen Jury verkostet und bewertet, die schließlich die besten vierzig für die internationale Jury auswählt. Ein Kaffee muss mit mindestens 86 von 100 Punkten bewertet werden, um den Titel Cup of Excellence zu bekommen und innerhalb aller Gewinner wird dann nach Punkten die Rangfolge festgelegt.

Der erste Tag beginnt mit einigen Übungen zur Kalibrierung der Jury, die dieses Jahr in Ruanda aus Kaffee-Experten aus England, den USA, Frankreich, Italien, Costa Rica, Burundi, China, Japan, Südkorea, Australien, El Salvador und mir aus Deutschland besteht.

Am zweiten Tag schlürfen wir uns dann in vier Runden durch die Top 40, um am dritten Tag nochmals alle Kaffees zu testen, die es über 86 Punkte geschafft haben. Am vierten und finalen Tag verbringen wir den Vormittag damit, die Top 10 festzulegen, um abends bei der Zeremonie die Gewinner zu beglückwünschen.

Die Kaffees im Wettbewerb sind süß, fruchtig und floral. Wir finden vor allem Noten von Orange, roten Beeren, Honig, Karamell, Nougat, Hibiskus und Jasmin.

Im Rahmenprogramm des CoEs geht es darum, das Land und die Menschen, die hinter dem Kaffee stehen, kennenzulernen. Dazu werden wir zu einem Barbecue in eine wunderschöne Location eingeladen, hören Vorträge über die Entwicklung des Kaffeesektors und besuchen eine Ausstellung, die gerade in Kigali stattfindet.

Am Tag nach der Abschlusszeremonie werden wir zu einer Washing Station nach Huye Mountain im Süden Ruandas eingeladen. Für mich ein sehr besonderer Tag, da wir von dort bereits zweimal Kaffee gekauft haben, den ich sehr mochte. Nun habe ich die Chance, den Ort und die Menschen dahinter kennenzulernen.

In Huye werden wir sehr herzlich empfangen und bekommen eine große Tour über einige der Kaffeeplantagen. Dafür geht es hoch hinaus und als Highlight rösten wir gemeinsam Kaffee auf traditionelle Art in einer großen Schale über offenem Feuer … und genießen dazu die wunderbare Aussicht über die Plantagen.

Wieder angekommen bei der Washing Station dürfen wir uns dann durch einige leckere Kaffees schlürfen, bevor wir wieder nach Kigali aufbrechen.

An meinem letzten Tag in Ruanda treffe ich mich mit einigen Leuten von der Rwanda Trading Company, die einen großen Teil des Kaffee Exports in Ruanda übernehmen. Wir besuchen gemeinsam die Washing Station in Tumba, im Norden des Landes, die sich in 1800 m Höhe befindet. Als wir nach einer holperigen Fahrt über unbefestigte Straßen aus dem Auto steigen, ist es plötzlich still um uns. Da die Ernte bereits vorbei ist, liegt die Washing Station sauber und leer vor uns. Um uns herum sind nur Berge mit Plantagen zu sehen. Kaffee, aber auch Bananen, Eukalyptus, Süsskartoffeln und Bohnen wachsen hier. Die Luft ist so sauber und klar und die Stille könnte in keinem größeren Gegensatz zu dem bunten Treiben in Kigali stehen, so dass ich am liebsten ein paar Tage in Tumba bleiben und unter freiem Himmel campen würde. Dennoch fahren wir zurück in die Hauptstadt und besuchen noch die Aufbereitungsanlagen der Rwanda Trading Company, cuppen einige ihrer Kaffees und dann geht es auch schon wieder los zum Flughafen.

Abends verlasse ich das Land voll mit Eindrücken: von den Begegnungen in Kigali und beim Cup of Excellence, von der tollen Zeit mit dem CoE-Team (auf dem Bild seht ihr mich übrigens mit Head Judge Paul Songer [links] und Darrin Daniel [rechts]), und von meinem Farmvisit in Huye. Ich weiß schon jetzt, dass ich wiederkommen muss!

 

geschrieben von Doro
Filialleitung am Mühlenkamp & zuständig für unsere Cuppings