Kategorie: Äthiopien

Mit Annika und Thomas unterwegs in Äthiopien

Konjo Buna bedeutet „guter Kaffee“ auf Amharic, der Landessprache Äthiopiens. Nur, was ist das: „guter Kaffee“?

Ich liebe die elbgold-Kaffees! Den Flat White habe ich zuerst für mich entdeckt, später dann den puren Espresso. Heute schäme ich mich dafür, dass ich nicht einmal ernsthaft darüber nachgedacht habe, was tatsächlich hinter diesem Kaffee steckt! Durch „Eating with Africa“ bekam ich die Chance, das zu ändern.

Ich treffe mich mit Annika und Thomas mitten in Äthiopien. Genauer gesagt in einem der besten Kaffee-Anbaugebiete des Landes: in Yirgacheffe, im Dorf Aricha auf 2000m, rund vierzehn Autostunden von Addis Abeba entfernt. Von hier bezieht elbgold einige seiner Specialty Coffees.

Die Kaffeepflanzen haben hier die perfekten Bedingungen: Sie wachsen hauptsächlich zwischen Ensete-, sogenannten falschen Bananen-Bäumen, die ihnen viel Schatten spenden. Die Temperaturen fallen nur selten unter 5°C und der Aricha River versorgt das Dorf mit frischem Wasser.

Es ist 8 Uhr morgens auf der Adorsi Washing Station. Die meisten Einwohner von Aricha leben vom Kaffeeanbau und der -aufbereitung. Nach und nach trudeln die Männer und Frauen ein, versammeln sich und beginnen zu singen und zu tanzen. Sie klatschen und stampfen rhythmisch, werfen ihre Hände in den Himmel und schließen die Augen oder wenden den Blick nach oben, Richtung Gott. Viele geraten dabei fast in Trance.

Dreimal am Tag wird Kaffee getrunken. Ich würde behaupten, dass genauso oft auch gebetet wird. Ein wenig fehl am Platz nicken wir zum Rhythmus der kreischenden Stimmen. „Das ist ihre Art, den Tag gut zu beginnen und sich zu motivieren“, erklärt uns Adham Yonis, dessen Familie die Washing Station gehört. „Wir unterstützen das sehr, weil es die Menschen glücklich macht“, fügt er hinzu. Und Glück ist die letzte und wichtigste „Zutat“ für einen guten Kaffee.

Annika, Adham und Thomas

Um an guten Kaffee zu kommen, muss man theoretisch nicht auf andere Kontinente reisen. Dafür gibt es Telefone, Computer, Container und Kaffeeproben, die man sich nach Deutschland bestellen kann. Wir wissen, dass dieser Kaffee zu den Hochwertigsten der Welt gehört. Wieso sich also die Mühe machen und hierher reisen? In ein Dorf, in dem es kein fließendes Wasser gibt und Strom nur abends mit Generator?

Weil es bei elbgold immer um die Menschen hinter dem Kaffee geht. Annika und Thomas wollen etwas bewegen! Und mit dem Direkthandel hochwertiger Kaffees können sie genau das tun. Je mehr Kaffee sie verkaufen, desto mehr Positives können sie in den Anbaugebieten bewirken und darum dreht es sich für die beiden Hamburger.

In Südamerika lässt sich ziemlich genau nachvollziehen, wie viel Geld direkt vor Ort bei den Bauern ankommt, da elbgold direkt mit den Kaffeeproduzenten verhandeln kann. Hier in Äthiopien ist es anders: Die Washing Station kauft den Kaffeebauern die Kaffeekirschen ab, bereitet diese sorgsam auf, um sie dann weiterzuverkaufen. Umso wichtiger ist es, vor Ort zu sein, um eben beurteilen zu können, ob die Menschen hier vom Kaffeeanbau wirklich leben können, was die Washing Station für die Dorfgemeinschaft tut, ob faire Einkaufspreise bezahlt werden und was die Farmer brauchen, damit es ihnen gut geht. Wir verbringen zusammen ein paar Tage in Aricha, um uns umzusehen, zu beobachten und mit den Dorfbewohnern zu sprechen.

Einer davon ist der 40-jährige Abraham Gebeyehu mit seiner Frau Aynalem, 35. Abraham ist Kaffeefarmer, wie schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater. Miete muss er für sein Haus und Grundstück nicht bezahlen, beides ist Familienbesitz. Die kleine Lehmhütte hat zwei Schlafzimmer, zwei Betten und ein großes Esszimmer, das hauptsächlich für die täglichen Kaffeezeremonien genutzt wird. Hier lebt das Paar mit seinen sechs Kindern.

Die Küche ist draußen. Hier kochen wir zusammen. Es ist Weihnachten und zur Feier des Tages wird ein Huhn geschlachtet. Das „Doro“ wird über mehrere Stunden mit Chilli und weiteren Gewürzen gekocht. Dazu gibt es Qoncho, fermentiertes „falsches Bananenbrot“.


Die Familie verfügt über eine mit Solarstrom betriebene Taschenlampe für abends, hat aber kein fließendes Wasser. Dafür gibt es den Fluss mit sauberem Wasser aus den Bergen. Viele ihrer Nahrungsmittel baut die Familie selbst an. Was sie nicht anpflanzen können, wird auf dem Markt gekauft. Das Haupteinkommen liefern die 1500 Kaffeebäume, die hinter ihrem Haus wachsen. Während der Kaffeeernte von Oktober bis November hilft die ganze Familie.

Zudem arbeiten Abraham und Aynalem noch auf der Washing Station und verdienen so auch an der Verarbeitung ihres Kaffees mit – wie die meisten der Dorfbewohner.

Die Familie Yonis hat die Aufbereitungsanlage erst vor ein paar Monaten übernommen und bereits große Pläne, um die Qualität der Kaffees noch weiter zu verbessern sowie die Lebensqualität der Dorfbewohner. Schon jetzt zahlen sie bessere Löhne sowie höhere Preise für die Kaffeekirschen als die benachbarten Washing Stations. Gerade wurde der Grundstein für eine neue Schule in Aricha gelegt. Als nächstes soll das Dorf Strom bekommen, erzählt uns Adham Yonis.

Nach drei Tagen ohne fließend Wasser und Strom fahren wir wieder zurück nach Addis Abeba. Hier wird der aufbereitete Kaffee bis zur Verschiffung gelagert. Wir sind im Cupping Lab verabredet, um die frische Ernte zu verkosten. Vor uns liegen vierzehn Kaffees auf dem Tisch: Naturals und Washed Coffees.

Weil mir keiner der beiden Begriffe etwas sagte, hier eine kurzer Schnellkurs für alle, denen es ähnlich geht: Beim Washed Coffee werden die guten Kirschen in einem Waschvorgang von den schlechten getrennt, danach wird das Fruchtfleisch komplett entfernt und der Kaffee fermentiert. Anschließend werden die Bohnen getrocknet. Bei diesem Verfahren hat man mehr Kontrolle über die Qualität und dadurch auch über den Geschmack. Das Ergebnis ist ein strahlender, sauberer Kaffee mit all seinen wunderbaren Aromen.

Bei den Naturals werden die Kirschen als Ganzes bis zu 23 Tage lang auf African Beds in der Sonne getrocknet. Täglich werden sie von Hand gewendet und bewegt, damit die Bohnen in den Kirschen nicht zu sehr fermentieren. Nach dem Trocknen wird das Fruchtfleisch von der Bohne entfernt. Bei dieser Vorgehensweise kann man das Aroma des Kaffees, anders als bei der gewaschenen Aufbereitung, weniger direkt kontrollieren. Am Ende schmeckt der Kaffee fruchtiger und durch den Zucker im Fruchtfleisch süßer, es kann aber auch zu einem leicht fermentierten Nachgeschmack kommen. In Deutschland sind diese Kaffees eher etwas für Liebhaber, hier in Äthiopien werden sie auch von den Einheimischen getrunken. Der Kaffee ist in beiden Fällen gut. Ob man ihn mag, ist eine Frage der Gewohnheit und „Erziehung“. Oder einfach Geschmacksache.

Mich erinnert der Kaffee eher an einen Earl Grey Tee mit Zitrone. Einige der Kaffees haben leichte Kirschnoten, andere schmecken nach Johannisbeere, Orange, Mandarine oder Jasmin. Etwas verwirrt von dieser Vielfalt lerne ich, dass eine Kaffeebohne über siebenhundert verschiedenen Aromen hat.


Für das Cupping werden alle Kaffees sehr hell geröstet. Umso deutlicher schmeckt man die einzelnen Nuancen heraus. Am Ende werden sämtliche Kaffees, die auf dem Tisch ausliegen, in verschiedenen Mengen bestellt. Insgesamt kommt fast ein ganzer Container mit einem Volumen von 19.200 kg zusammen. Thomas und Annika akzeptieren gleich den ersten Preisvorschlag von Adham. Nach einem Rabatt fragen sie nicht.

Im Sommer 2019 wird der Kaffee von der Adorsi Washing Station dann über die Theke der elbgold Cafés gehen – als gewaschener Filterkaffee „ARICHA“ mit Noten von Earl Grey, Jasmin und Papaya sowie als Natural Espresso „IDIDO“ mit Noten von Kakao, Rosine und Kirsche.

© elbgold

Als ich wieder zu Hause bin, kaufe ich einen gewaschenen Kaffee: 250 Gramm für rund 10,00€. Bevor ich ihn bezahle, drehe ich die Packung um und lese die Rückseite. Ich will wissen, wo der Kaffee herkommt und wohin mein Geld geht. Seit ich mein Kochbuch-Projekt „Eating with Africa“ begonnen habe, geht es mir immer öfter so. Ich will die Geschichten hinter dem Essen genauer kennen. Umso mehr freut es mich, dass ich mit elbgold reisen durfte. Weil Annika und Thomas sich nicht nur für den Geschmack von gutem Kaffee interessieren, sondern hauptsächlich für die Menschen. Und das ist das Wichtigste an einem guten Kaffee.

 

Fotos und Text von Maria Schiffer
Fotografin

 

Über Maria Schiffer:
Maria ist freie Reise-, Portrait- und Food-Fotografin und lebt in Berlin. Ihre Fotografien erscheinen in Magazinen wie „Der Feinschmecker“, „Merian“, „Stern“ oder „Der Spiegel“. Darüberhinaus reist sie für ihr Kochbuch-Projekt „Eating with Africa“ über den afrikanischen Kontinent, um mit Einheimischen zu kochen. Dabei portraitiert sie nicht nur die Gerichte verschiedener afrikanischer Länder, sondern auch die Menschen dahinter und gewährt Einblicke in ihren Alltag. Ihr könnt an der Entstehung dieses wunderbaren Kochbuches mitwirken, indem ihr „Eating with Africa“ hier unterstützt.