Kategorie: Coffee

Mit Annika und Thomas unterwegs in Äthiopien

Konjo Buna bedeutet „guter Kaffee“ auf Amharic, der Landessprache Äthiopiens. Nur, was ist das: „guter Kaffee“?

Ich liebe die elbgold-Kaffees! Den Flat White habe ich zuerst für mich entdeckt, später dann den puren Espresso. Heute schäme ich mich dafür, dass ich nicht einmal ernsthaft darüber nachgedacht habe, was tatsächlich hinter diesem Kaffee steckt! Durch „Eating with Africa“ bekam ich die Chance, das zu ändern.

Ich treffe mich mit Annika und Thomas mitten in Äthiopien. Genauer gesagt in einem der besten Kaffee-Anbaugebiete des Landes: in Yirgacheffe, im Dorf Aricha auf 2000m, rund vierzehn Autostunden von Addis Abeba entfernt. Von hier bezieht elbgold einige seiner Specialty Coffees.

Die Kaffeepflanzen haben hier die perfekten Bedingungen: Sie wachsen hauptsächlich zwischen Ensete-, sogenannten falschen Bananen-Bäumen, die ihnen viel Schatten spenden. Die Temperaturen fallen nur selten unter 5°C und der Aricha River versorgt das Dorf mit frischem Wasser.

Es ist 8 Uhr morgens auf der Adorsi Washing Station. Die meisten Einwohner von Aricha leben vom Kaffeeanbau und der -aufbereitung. Nach und nach trudeln die Männer und Frauen ein, versammeln sich und beginnen zu singen und zu tanzen. Sie klatschen und stampfen rhythmisch, werfen ihre Hände in den Himmel und schließen die Augen oder wenden den Blick nach oben, Richtung Gott. Viele geraten dabei fast in Trance.

Dreimal am Tag wird Kaffee getrunken. Ich würde behaupten, dass genauso oft auch gebetet wird. Ein wenig fehl am Platz nicken wir zum Rhythmus der kreischenden Stimmen. „Das ist ihre Art, den Tag gut zu beginnen und sich zu motivieren“, erklärt uns Adham Yonis, dessen Familie die Washing Station gehört. „Wir unterstützen das sehr, weil es die Menschen glücklich macht“, fügt er hinzu. Und Glück ist die letzte und wichtigste „Zutat“ für einen guten Kaffee.

Annika, Adham und Thomas

Um an guten Kaffee zu kommen, muss man theoretisch nicht auf andere Kontinente reisen. Dafür gibt es Telefone, Computer, Container und Kaffeeproben, die man sich nach Deutschland bestellen kann. Wir wissen, dass dieser Kaffee zu den Hochwertigsten der Welt gehört. Wieso sich also die Mühe machen und hierher reisen? In ein Dorf, in dem es kein fließendes Wasser gibt und Strom nur abends mit Generator?

Weil es bei elbgold immer um die Menschen hinter dem Kaffee geht. Annika und Thomas wollen etwas bewegen! Und mit dem Direkthandel hochwertiger Kaffees können sie genau das tun. Je mehr Kaffee sie verkaufen, desto mehr Positives können sie in den Anbaugebieten bewirken und darum dreht es sich für die beiden Hamburger.

In Südamerika lässt sich ziemlich genau nachvollziehen, wie viel Geld direkt vor Ort bei den Bauern ankommt, da elbgold direkt mit den Kaffeeproduzenten verhandeln kann. Hier in Äthiopien ist es anders: Die Washing Station kauft den Kaffeebauern die Kaffeekirschen ab, bereitet diese sorgsam auf, um sie dann weiterzuverkaufen. Umso wichtiger ist es, vor Ort zu sein, um eben beurteilen zu können, ob die Menschen hier vom Kaffeeanbau wirklich leben können, was die Washing Station für die Dorfgemeinschaft tut, ob faire Einkaufspreise bezahlt werden und was die Farmer brauchen, damit es ihnen gut geht. Wir verbringen zusammen ein paar Tage in Aricha, um uns umzusehen, zu beobachten und mit den Dorfbewohnern zu sprechen.

Einer davon ist der 40-jährige Abraham Gebeyehu mit seiner Frau Aynalem, 35. Abraham ist Kaffeefarmer, wie schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater. Miete muss er für sein Haus und Grundstück nicht bezahlen, beides ist Familienbesitz. Die kleine Lehmhütte hat zwei Schlafzimmer, zwei Betten und ein großes Esszimmer, das hauptsächlich für die täglichen Kaffeezeremonien genutzt wird. Hier lebt das Paar mit seinen sechs Kindern.

Die Küche ist draußen. Hier kochen wir zusammen. Es ist Weihnachten und zur Feier des Tages wird ein Huhn geschlachtet. Das „Doro“ wird über mehrere Stunden mit Chilli und weiteren Gewürzen gekocht. Dazu gibt es Qoncho, fermentiertes „falsches Bananenbrot“.


Die Familie verfügt über eine mit Solarstrom betriebene Taschenlampe für abends, hat aber kein fließendes Wasser. Dafür gibt es den Fluss mit sauberem Wasser aus den Bergen. Viele ihrer Nahrungsmittel baut die Familie selbst an. Was sie nicht anpflanzen können, wird auf dem Markt gekauft. Das Haupteinkommen liefern die 1500 Kaffeebäume, die hinter ihrem Haus wachsen. Während der Kaffeeernte von Oktober bis November hilft die ganze Familie.

Zudem arbeiten Abraham und Aynalem noch auf der Washing Station und verdienen so auch an der Verarbeitung ihres Kaffees mit – wie die meisten der Dorfbewohner.

Die Familie Yonis hat die Aufbereitungsanlage erst vor ein paar Monaten übernommen und bereits große Pläne, um die Qualität der Kaffees noch weiter zu verbessern sowie die Lebensqualität der Dorfbewohner. Schon jetzt zahlen sie bessere Löhne sowie höhere Preise für die Kaffeekirschen als die benachbarten Washing Stations. Gerade wurde der Grundstein für eine neue Schule in Aricha gelegt. Als nächstes soll das Dorf Strom bekommen, erzählt uns Adham Yonis.

Nach drei Tagen ohne fließend Wasser und Strom fahren wir wieder zurück nach Addis Abeba. Hier wird der aufbereitete Kaffee bis zur Verschiffung gelagert. Wir sind im Cupping Lab verabredet, um die frische Ernte zu verkosten. Vor uns liegen vierzehn Kaffees auf dem Tisch: Naturals und Washed Coffees.

Weil mir keiner der beiden Begriffe etwas sagte, hier eine kurzer Schnellkurs für alle, denen es ähnlich geht: Beim Washed Coffee werden die guten Kirschen in einem Waschvorgang von den schlechten getrennt, danach wird das Fruchtfleisch komplett entfernt und der Kaffee fermentiert. Anschließend werden die Bohnen getrocknet. Bei diesem Verfahren hat man mehr Kontrolle über die Qualität und dadurch auch über den Geschmack. Das Ergebnis ist ein strahlender, sauberer Kaffee mit all seinen wunderbaren Aromen.

Bei den Naturals werden die Kirschen als Ganzes bis zu 23 Tage lang auf African Beds in der Sonne getrocknet. Täglich werden sie von Hand gewendet und bewegt, damit die Bohnen in den Kirschen nicht zu sehr fermentieren. Nach dem Trocknen wird das Fruchtfleisch von der Bohne entfernt. Bei dieser Vorgehensweise kann man das Aroma des Kaffees, anders als bei der gewaschenen Aufbereitung, weniger direkt kontrollieren. Am Ende schmeckt der Kaffee fruchtiger und durch den Zucker im Fruchtfleisch süßer, es kann aber auch zu einem leicht fermentierten Nachgeschmack kommen. In Deutschland sind diese Kaffees eher etwas für Liebhaber, hier in Äthiopien werden sie auch von den Einheimischen getrunken. Der Kaffee ist in beiden Fällen gut. Ob man ihn mag, ist eine Frage der Gewohnheit und „Erziehung“. Oder einfach Geschmacksache.

Mich erinnert der Kaffee eher an einen Earl Grey Tee mit Zitrone. Einige der Kaffees haben leichte Kirschnoten, andere schmecken nach Johannisbeere, Orange, Mandarine oder Jasmin. Etwas verwirrt von dieser Vielfalt lerne ich, dass eine Kaffeebohne über siebenhundert verschiedenen Aromen hat.


Für das Cupping werden alle Kaffees sehr hell geröstet. Umso deutlicher schmeckt man die einzelnen Nuancen heraus. Am Ende werden sämtliche Kaffees, die auf dem Tisch ausliegen, in verschiedenen Mengen bestellt. Insgesamt kommt fast ein ganzer Container mit einem Volumen von 19.200 kg zusammen. Thomas und Annika akzeptieren gleich den ersten Preisvorschlag von Adham. Nach einem Rabatt fragen sie nicht.

Im Sommer 2019 wird der Kaffee von der Adorsi Washing Station dann über die Theke der elbgold Cafés gehen – als gewaschener Filterkaffee „ARICHA“ mit Noten von Earl Grey, Jasmin und Papaya sowie als Natural Espresso „IDIDO“ mit Noten von Kakao, Rosine und Kirsche.

© elbgold

Als ich wieder zu Hause bin, kaufe ich einen gewaschenen Kaffee: 250 Gramm für rund 10,00€. Bevor ich ihn bezahle, drehe ich die Packung um und lese die Rückseite. Ich will wissen, wo der Kaffee herkommt und wohin mein Geld geht. Seit ich mein Kochbuch-Projekt „Eating with Africa“ begonnen habe, geht es mir immer öfter so. Ich will die Geschichten hinter dem Essen genauer kennen. Umso mehr freut es mich, dass ich mit elbgold reisen durfte. Weil Annika und Thomas sich nicht nur für den Geschmack von gutem Kaffee interessieren, sondern hauptsächlich für die Menschen. Und das ist das Wichtigste an einem guten Kaffee.

 

Fotos und Text von Maria Schiffer
Fotografin

 

Über Maria Schiffer:
Maria ist freie Reise-, Portrait- und Food-Fotografin und lebt in Berlin. Ihre Fotografien erscheinen in Magazinen wie „Der Feinschmecker“, „Merian“, „Stern“ oder „Der Spiegel“. Darüberhinaus reist sie für ihr Kochbuch-Projekt „Eating with Africa“ über den afrikanischen Kontinent, um mit Einheimischen zu kochen. Dabei portraitiert sie nicht nur die Gerichte verschiedener afrikanischer Länder, sondern auch die Menschen dahinter und gewährt Einblicke in ihren Alltag. Ihr könnt an der Entstehung dieses wunderbaren Kochbuches mitwirken, indem ihr „Eating with Africa“ hier unterstützt.

„elbgold Direct Trade“: Unsere Art des fairen und nachhaltigen Direkthandels

Schon lange, bevor es den Begriff in der Öffentlichkeit überhaupt gab, haben wir genau das bei uns im elbgold gemacht: Direct Trade! Doch was genau heißt das für uns?

Seit der Unternehmensgründung im Jahr 2004 begeben wir uns selbst auf die Suche nach den besten Kaffees und Kaffeefarmern der Welt. In regelmäßigen Abständen reisen wir dazu in die Ursprungsländer und probieren uns dabei durch unzählige Tassen Kaffee. Gewissermaßen unsere Form der Schatzsuche. Doch erst, wenn uns nicht nur der Kaffee, sondern uns auch die Anbaumethoden des Farmers in Bezug auf Umweltschutz und soziale Nachhaltigkeit überzeugen, sind wir fündig geworden. In solchen Fällen nehmen wir den Kaffee direkt beim Farmer ab – ohne Zwischenhändler, ohne ausländische Investoren. Nur so können wir sicherstellen, dass das Geld genau bei denjenigen Personen ankommt, die für die herausragende Kaffeequalität verantwortlich sind!

Faire Bezahlung

Wir richten uns nicht nach den Preisen der internationalen Kaffeebörsen. Der Preis eines jeweiligen Kaffees stand bei uns noch nie an erster Stelle, sondern dessen Qualität! Und schmeckt uns ein Kaffee, sind wir gern bereit, einen Aufpreis zu zahlen. Wir sind der Meinung, dass der Großteil der Qualität im Ursprung entsteht und das wollen wir honorieren – mit fairen Preisen. Und das ist bei uns der Preis, den der Farmer verlangt. Verhandlung – Fehlanzeige!

Langjährige Beziehungen

Mit vielen unsere Farmer arbeiten wir seit mehr als einem Jahrzehnt zusammen. Über die Jahre sind aus Bekannten wahre Freundschaften geworden und einige unserer engsten Freunde stellen wir euch hier auf unserer Website vor. Von unserer langen, vertrauensvollen Zusammenarbeit profitieren beide Seiten. So wissen unserer Farmer, dass Sie Ihre Ernte auch im kommenden Jahr zu einem guten Preis verkaufen können, aber auch wir können uns darauf verlassen, dass sich einige der besten Bohnen der Welt auch zukünftig wieder auf den Weg nach Hamburg machen.

Unser Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung

Nicht auf jeder Reise in die Kaffeeregionen dieser Welt finden wir Kaffeespezialitäten, die unseren Ansprüchen genügen. Was wir jedoch oft finden, ist eine ganze Menge Potential. Gerade in weniger entwickelten Regionen entlang des Kaffeegürtels fehlt den Farmern häufig die notwendige Infrastruktur, Erfahrung oder schlicht das Geld, um aus gutem Kaffee einen hervorragenden zu machen. Hier versuchen wir zu helfen! Gern teilen wir unser Wissen über Ernte-, Trocknungs- und Aufbereitungsmethoden vor Ort in kleinen Workshops mit den Farmern, sodass sich langfristig ihre Kaffeequalität und somit ihr Einkommen erhöht. Hilfe zur Selbsthilfe gewissermaßen. Aus unserer Sicht kann in den Kaffeeregionen nur eine nachhaltige Entwicklung stattfinden, wenn man die Farmer durch Wissenstransfer, konstante Abnahmemengen und faire Bezahlung dabei unterstützt, ihre vorhandenen Wirtschaftszweige zu stärken.

Bewusstsein wecken

Gern möchten wir unsere Eindrücke mit euch teilen. Vor allem aber möchten wir uns ganz herzlich bei euch bedanken! Danke dafür, dass ihr bewusst konsumiert und auf Qualität anstatt Quantität setzt. Danke dafür, dass ihr bereit seid, für außergewöhnliche Kaffees einen fairen Preis zu bezahlen. Wir haben gesehen, wie wir gemeinsam mit jeder verkauften Tasse Kaffee Gutes tun können. Dass ganze Familien und Gemeinden nicht länger nur Ihren Lebensunterhalt bestreiten können, sondern förmlich aufblühen. Dass Strukturen entstehen, die es auch der nächsten Generation ermöglichen, in ihrer Heimatregion zu bleiben. Bewusster Konsum und fairer Handel liegen uns allen am Herzen – und das wollen wir weitererzählen!

Bei Roberto Mata in Costa Rica

Wer einmal in Costa Rica war, der weiß, dass es gar nicht so einfach ist, eine bestimmte Adresse zu finden. Konkrete Straßen und Hausnummern sucht man oftmals vergeblich. Stattdessen werden markante Gebäude als Orientierungshilfe genutzt. So suche ich also ein Gebäude 400m nördlich der Kirche und 200m westlich des Sportplatzes mit einem grünen Zaun. Das Haus von Roberto Mata und seiner Familie zu finden gestaltet sich dann aber doch einfacher als gedacht. Denn jeder im Ort kennt ihn. „Roberto? Na klar weiß ich, wo er wohnt. Bloß weiter die Straße entlang bis zu dem Haus mit den zwei großen Palmen in der Einfahrt.“ So einfach ist das manchmal!

Die Familie Mata verbindet eine langjährige Freundschaft mit Annika, Thomas und gefühlt dem ganzen elbgold Team aus Hamburg. Denn viele von uns waren selbst schon vor Ort auf seiner Farm und konnten sich einen Eindruck davon verschaffen, wie viel Arbeit es bedeutet, bis sich die besten Bohnen auf den Weg nach Hamburg machen. Schon fast seit der Gründung von elbgold ist Roberto mit von der Partie und beliefert uns direkt mit seinen köstlichen Bohnen. Gern weiht er uns ein in die Geheimnisse seines unverwechselbaren Kaffees, und so mache auch ich mich auf den Weg, um mehr über den Anbau von Speciality Coffee zu lernen.

Bei meiner Ankunft Mitte Februar befindet sich die Ernte bereits in den letzten Zügen. In den Wochen zuvor wurden die Kaffeefelder bereits mehrmals nach reifen Bohnen durchsucht. Um eine hohe Kaffeequalität zu gewährleisten werden dabei stets nur die reifen Kaffeekirschen per Hand gepflückt. Die gelben oder gar noch grünen Kaffeekirschen dürfen also noch etwas reifen. Damit wirklich nur reife Kaffeekirschen ihren Weg in die Kaffeesäcke finden, beschäftigt Roberto seit Jahren die gleichen Erntehelfer und legt Wert auf gute Arbeitsbedingungen und einen familiären Umgang.

Mein erster Tag als Azubi auf der Farm beginnt früh! Um 5:00 Uhr klingelt mein Wecker und nachdem wir gemeinsam unseren ersten Kaffee getrunken haben, stehen wir auch schon am Pulper, als langsam die Sonne aufgeht. „Wir“ – das sind übrigens Roberto (Foto links) und sein Sohn Michael, Enkel Eric und ich. Schnell wird mir klar, dass die ganze Familie mit dem Kaffeefieber infiziert ist. Alle helfen mit und jeder möchte mir genau erklären, wie man den optimalen Geschmack aus jeder Bohne herauskitzeln kann.

Aber zunächst einmal heißt es Anpacken. Im ersten Arbeitsschritt des Tages werden die Kaffeebohnen von ihrer Kirsche getrennt und gewaschen. Dazu wurde eigens ein neuer Pulper installiert. Über Rohrsysteme werden die Kaffeekirschen zunächst durch mehrere Wasserbecken geleitet, bevor sie schließlich in eine Art Mühle gelangen, die durch schnelle Rotation das Fruchtfleisch entfernt. Um bei diesem Prozess möglichst wenig Wasser zu verbrauchen, fängt der Pulper das Wasser am Ende immer wieder auf und hält es so lang wie möglich in einem geschlossenen Kreislauf. Das Resultat dieses Arbeitsschritts sind zwei mittelgroße Berge: Auf der einen Seite liegt das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche und auf der anderen die gewaschenen Kaffeebohnen.


Beides kann weiterverwertet werden. Während das Fruchtfleisch auf der Plantage als Dünger verwendet wird, beginnt für die Kaffeebohnen nun die heiße Phase. Und das ist wörtlich gemeint. Bis zu einer Woche werden die Bohnen nämlich zum Trocknen in die Sonne gelegt. Für Roberto, Michael, Eric und mich bedeutet dies, speziell in der Mittagshitze darauf zu achten, dass die Bohnen ständig gewendet werden. Sollten die Bohnen nämlich verbrennen oder ungleichmäßig trocknen, wirkt sich das natürlich erheblich auf den Geschmack des Kaffees aus. Und so verbringen wir knapp 10 Stunden des Tages damit, den Kaffee zu bewegen, bevor wir ihn abends mit Kaffeesäcken abdecken, um ihn vor Feuchtigkeit zu schützen.

Später am Abend nimmt mich Michael mit zu einer der drei Kaffeefelder der Familie, die sich alle unweit des Wohnhauses auf verschiedenen Höhen- und Hanglagen befinden. Während der Erntezeit sammelt er jeden Abend mit seinem 30 Jahre alten Chevrolet Truck die Tagesernte ein. Angekommen an der Farm begrüßt Michael alle Helfer persönlich. Wir wurden bereits erwartet, wie man unschwer an all den voll bepackten Kaffeesäcken erkennen kann.


In den letzten Tagen der Ernte wird besonders viel Kaffee gepflückt. Denn anders als in den Wochen zuvor werden nun sämtliche Bohnen gepflückt, die sich noch an der Pflanze befinden. „Die Säuberung der Kaffeepflanze“ nennt Michael das. Dies sei bereits der erste Schritt zur Pflege der Plantagen und zur Vorbereitung auf das kommende Erntejahr.

Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die besten Bohnen aber bereits im Rohkaffeelager von Roberto. Als wir zurück auf der Farm ankommen, ist es bereits dunkel und Roberto sitzt draußen auf der Veranda und bereitet einige Kaffeeproben vor. Ich setze mich zu ihm und helfe ihm, die grünen Bohnen in kleine 250 Gramm Tüten abzufüllen. Bei jeder Probe wird genau die Sorte, Höhenlage und der jeweilige Erntetag notiert. Als wir fertig sind, sagt er mir: „Die Proben gehen übrigens zu Thomas und Annika ins elbgold nach Hamburg. Mal schauen, für welchen Kaffee sie sich dieses Jahr entscheiden.“

Als ich nach einigen Tagen auf der Farm langsam meine Sachen zusammenpacke, sind die Vorbereitungen für das Erntedankfest bereits im vollem Gange. Jedes Jahr zum Ende der Ernte lädt Roberto alle Helfer und Freunde zu einem gemeinsamen Grillfest ein. Seine Frau Doris und Tochter Monica haben daher in den letzten Tagen viel Zeit in der Küche verbracht. Und wieder merkt man, Kaffeeanbau bei den Matas ist eine Familienangelegenheit.

Thomas und Annika haben sich übrigens auch in diesem Jahr wieder für einen Kaffee von Roberto entschieden. Costa Rica – Las Nubes kann ab sofort wieder frisch gebrüht in unseren elbgold Tassen genossen werden. Viel Spaß beim Probieren!

 

geschrieben von Marvin
Junior Business Development Manager

Verliebt in die Finca El Puente | Honduras

Ich bin verliebt. In Honduras. In Marysabel Caballero und Moises Herrera. Und in ihre Farm „El Puente“ in Marcala. Schon in dem Moment, als ich den beiden am Flughafen von Tegucigalpa gegenüberstehe, ist mir klar, dass diese Begegnung etwas ganz Besonderes ist. Ich bin das erste Mal in Honduras – Thomas und Basti waren schon ein Jahr zuvor hier. Beim Cup of Excellence 2016 durften sie als internationale Juroren die besten Kaffees des Landes verkosten und bewerten. Gleich am Tag nach der Siegerehrung hatten sie Marysabel – die Gewinnerin des Wettbewerbes – und ihren Ehemann Moises auf ihrer Farm besucht.

Mit ihrem „Geisha“ hatte das Ehepaar nicht nur den Wettbewerb für sich entschieden, sondern im Anschluss bei der Auktion atemberaubende 265 Dollar pro Kilo Rohkaffee erzielen können. Das Gewinnerlot ging wie erwartet nach Japan. Aber uns lud Marysabel ein, sie während der nächsten Ernte zu besuchen … für uns der absolute Hauptgewinn und der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft.

Es ist für die beiden selbstverständlich, dass wir bei ihnen wohnen. Bei Sonnenaufgang stehen wir auf und fahren zusammen auf ihre Farm „El Puente“. Umsäumt von hohen, schattenspendenden Pinien wird hier hauptsächlich die Varietät Red Catuai angebaut. Die Luft ist frisch und es duftet nach Jasmin und Orangenblüten. Mitten durch die bergige Landschaft schlängelt sich ein kleiner Fluss mit der Brücke, die der Farm ihren Namen gab. Moises erklärt mir, dass die Pflanzen mehr als einen Meter weit auseinanderstehen, damit es ihnen gut geht, und ihre Wurzeln genug Platz haben. Und als vorsorglicher Schutz, so dass sich Roja und andere Krankheiten nicht auf die anderen Pflanzen übertragen können. Er sammelt jede heruntergefallene Kirsche auf, entfernt abgebrochene Zweige und streichelt über die gesunden Blätter seiner Pflanzen, die vorher in der Nursery liebevoll aufgezogen wurden.

Wir fahren weiter zur Wet Mill. Auf dem Weg dorthin treffen wir eine Schulklasse mit ihrem Lehrer. Moises lehnt sich aus dem Fenster und scherzt mit einem der Kids über Fußball, denn der Junge ist Fan des Teams, das gerade verloren hat. Marysabel kann mir nicht nur die Namen aller Kinder und deren Eltern nennen, sondern auch berichten, wann und wie lange die Kinder zur Schule gehen. Sie erzählt, dass sie zwei Schulen in Marcala unterstützen und außerdem die nahe gelegene Gesundheitsklinik mit Elektrizität versorgen. Wir sprechen auch darüber, was ihre Mitarbeiter bei ihnen verdienen und dass sie alle aus der Region stammen. Marysabel ist in Marcala aufgewachsen und schon ihr Vater, Großvater und Urgroßvater waren Kaffeefarmer. Sie kennt hier jeden Baum und jeden Stein und man spürt ihre Liebe zur Natur. Vor kurzem haben Moises und sie ein paar Hektar Land dazukaufen können und sie erklärt mir, warum es so wichtig ist, behutsam mit der Natur umzugehen und diese zu erhalten, statt die Wälder zu roden.


Auch bei der Aufbereitung legen sie großen Wert auf Umweltschutz. Moises hat gerade einen modernen Coffee Pulper aufgestellt, um möglichst viel Wasser zu sparen. Das Wasser wird mehrmals verwendet und nach der Nutzung gereinigt.

Wir klettern über die Fermentationsbecken und über die riesigen Dryer, in denen die auf Patios vorgetrockneten Bohnen langsam und bei sehr niedrigen Temperaturen getrocknet werden, prüfen die Bohnen auf den African Beds und verbringen Stunden in Moises Varietäten-Garten, der von Marysabel liebevoll „Moises Garden Eden“ genannt wird. Hier baut Moises in selbstgebauten Gewächshäusern alte, fast vergessene Kaffeevarietäten an, experimentiert und erforscht die Wirkung und den Einfluss von Temperatur, Wasser, Wind, Mineralien und Böden auf seine Pflänzlinge. Durch Zufall entdecken wir zusammen orangefarbene Kaffeekirschen, die aussehen wie Pacas-Kirschen, deren dazugehörigen Blätter aber so groß sind wie bei einer Maragogype-Pflanze. Wir separieren die Früchte sofort. Später werden sie getrocknet und dann im Cupping Lab geröstet und verkostet. Der neuen Kaffee-Entdeckung gibt Moises den Namen „Annika72“.


Weiter geht es zum nächsten Hang, der voller reifer Kaffeekirschen ist. Ich bin inzwischen ganz high von all den Eindrücken und überkoffeiniiert von den vielen Kaffeekirschen namens Geisha, Red Catuai, Bourbon, Caturra, Yellow Catuai und Mocca, die ich den Tag über probiert habe. Jede Varietät schmeckt übrigens anders – so süß und köstlich – und am Ende des Tages sind meine Hosentaschen voll mit Kaffeebohnen. Auf keinen Fall dürfen diese nämlich wieder achtlos ausgespuckt werden, um zu vermeiden, dass Schädlinge angelockt werden. Ich lerne an diesem Tag so viel Neues über Kaffee, denn Moises ist ein wandelndes Kaffee-Lexikon. Er setzt auf die neueste Technik, experimentiert mit unterschiedlichen Anbaumethoden und Aufbereitungsarten und verbessert kontinuierlich die Qualität der Kaffeebohnen.

Ursprünglich kommt Moises aus Guatemala, wo er als Buchhalter bei einem Exporteur arbeitete, nach Feierabend seine Zeit im Cupping Lab verbrachte und dort seine Liebe zum Kaffee entdeckte. Anfang der 90er wurde er als Produktionsleiter von seiner Firma nach Honduras geschickt, verliebte sich in Marysabel und blieb. Seit 1996 sind die beiden verheiratet. Sie haben zwei Söhne bekommen und gleichberechtigt ihre Farm aufgebaut. Mit dem Gewinn des Cup of Excellence 2016 treten sie in die Fußstapfen von Marysabels Vaters Fabio Caballero, der bereits mehrmals den Cup of Excellence gewonnen hat und einer der großen Namen der Kaffeewelt ist. Die Eltern wohnen auf demselben Grundstück wie sie und wir verbringen nach dem Farmbesuch alle zusammen einen fröhlichen BBQ-Abend in ihrem Garten. Auch sonst endet übrigens jeder weitere Abend mit viel Wein, Bier, lustigen Geschichten und köstlichem Essen.

Essen ist neben Kaffee überhaupt ein ganz großes Thema in Honduras. Wenn wir nicht cuppen, rösten oder Kaffeekirschen probieren, essen wir. Wir müssen schließlich in kurzer Zeit alles probieren, was Honduras kulinarisch zu bieten hat. „Miracle Fruit Berries“ zum Beispiel: Nach dem Verzehr der Wunderbeeren schmeckt alles, was eigentlich sauer oder bitter ist, plötzlich ausgesprochen süß und erst Stunden später ist alles wieder „normal“. Wir kochen zusammen und lernen, wie Tortillas so schön rund werden.

Und für die beste Schokolade des Landes fahren wir mal eben in fünfeinhalb Stunden 230 Kilometer von Marcala nach Copan an die guatemaltekische Grenze ins „El Lugar del Té & Chocolate“ und genießen danach in der „Hacienda San Lucas“ neben traditioneller Maya Cusine den tollen Blick über das Tal. Am nächsten Morgen schauen wir nach dem Frühstück und anschließendem Stadtrundgang die beeindruckenden Ruinas an, bevor Marysabel mit einem Affenzahn auf schlaglochreichen Serpentinen-Straßen zurück nach Marcala braust und uns nebenbei noch alles über die politische und wirtschaftliche Situation, das Gesundheitssystem, die Drogenproblematik, Kidnapping und weitere Schwierigkeiten des Landes erzählt.

Unser letzter Abend in Honduras endet wieder ausgesprochen gesellig. Doch zuvor hatten wir uns nach einem weiteren Cupping für sieben Lots ihrer Bohnen entscheiden, mit denen wir einen Container für die Heimat füllen konnten.

Wieder Zuhause in Hamburg haben wir uns bald für diese besondere Gastfreundschaft revanchieren können: Im Sommer war Marysabels und Moises Sohn Ezri bei uns zu Gast – inklusive Hafenrundfahrt, Sightseeingtour, St-Pauli-Fußball-Spiel sowie Labskaus und Bauernfrühstück morgens um zwei im Erikas Eck.

Im Oktober kamen uns dann auch Marysabel und Moises selbst besuchen und wir haben mit ihnen Hamburg und seine kulinarischen Highlights erkundet. In unserer Rösterei in der Schanze verkosteten wir schließlich gemeinsam ihren „El Puente“. Er schmeckt übrigens wundervoll: nach Orange, Pfirsich und Jasminhonig und ganz viel Liebe.

 

geschrieben von Annika
CEO & Founder

Indischer Arabica von Pavan Nanjappa

Der Flughafen von Dubai hält weltweit einige Rekorde. Der für den schnellsten Sprint von einem Terminal zum anderen geht aber eindeutig an mich. Wegen eines Sandsturms hatte sich die Landung um 2 Stunden verzögert. So blieben mir genau 15 Minuten, um meinen Anschlussflug nach Indien zu erwischen. Wer schon mal auf dem Flughafen in Dubai war, weiß, dass es mit einem 100-m-Sprint unter 10 Sekunden zu vergleichen ist. Und da leider nicht Usain Bolt das Verladen meines Koffers übernahm, ist er irgendwo im Sandsturm verloren gegangen. Hätte ich gewusst, dass ich bei der indischen Gastfreundlichkeit sowieso nichts außer meiner guten Laune benötige, wäre ich ganz ohne Gepäck gestartet.

Eingeladen zum „Seven Bean Trail“ hatte mich die Koryphäe des indischen Kaffees: Sunalini Mannen. Bei diesem Wettbewerb besuchten wir zuerst die besten Produzenten des Landes auf ihren Farmen und im Anschluss bewerteten wir als internationale Juroren ihre Kaffees.

Eine Farm stach schon während der Tour besonders hervor. Bereits auf den ersten Blick war mir klar, warum die damals in Coorg lebende Königsfamilie diese Region zu ihrem Lieblingsort erklärte. Wegen ihrer Schönheit gaben sie diesem Ort einen neuen Namen: Papakuchi.

Hier, am süd-östlichen Rand Indiens, lebt Pavan Nanjappa mit seiner Frau Shilpa und ihrer gemeinsamen Tochter Aanya. Schon in dritter Generation baut er hier Kaffee an. Aus Respekt vor der Geschichte dieses Ortes taufte er seinen Kaffee Papakuchi und füllt ihn so Jahrzehnte später mit neuem Leben.

Das Thema Respekt wird hier in allen Bereichen groß geschrieben. Durch eine lange Zusammenarbeit mit seinem Vater lernte er, wie wichtig der Einklang zwischen Mensch und Natur ist. So wirkt seine 1200m hohe Farm teilweise wie ein unberührter Urwald. Über 40 verschiedene Dschungelbäume spenden wertvollen Schatten für die Kaffeekirschen. Es wächst überall schwarzer Pfeffer, der weltweit als Spezialität gilt. Buttrige Avocados hängen neben saftigen Orangen. In der Luft liegt ein würziger Geruch von Kardamom und um uns herum fliegen paradiesische Vögel und Bienen aus Pavans eigenem Bienenstock. Diese Aromen finden sich auch in der gebrühten Tasse Kaffee wieder. Wir finden, Pavans Arabica-Bohnen schmecken nach Süßholz, Orange und Ahornsirup.

Wenn es ab November an die Kaffeeernte geht, dann arbeitet Pavan immer mit den gleichen Helfern zusammen. Aus diesem Grund sind sie heute bestens ausgebildet. Auch mit ihnen geht er sehr respektvoll um. Ein fairer Lohn ist da selbstverständlich. Darüber hinaus erhalten sie alle kostenlose Bildung und medizinische Versorgung. Der Strom in ihren Unterkünften kommt von einer eigenen Solaranlage und sogar das Regenwasser wird aufbereitet und genutzt.

Diese Fürsorge geben die Erntehelfer an den Kaffee weiter. Per Hand werden nur die wirklich reifen Kirschen gepflückt und zwar so, dass die Pflanzen nicht verletzt werden und im nächsten Jahr wieder reichlich Kirschen wachsen können. Im nächsten Schritt werden die Kaffeekirschen zur Wet Mill gebracht. Hier werden zuerst Äste und Steine entfernt. Im Anschluss werden die überreifen Kirschen in einem Wasserkanal aussortiert. Durch die Bildung von Gasen im Inneren der Frucht schwimmen sie an der Oberfläche und können abgeschöpft werden. Nachdem noch die grünen, unreifen Früchte aussortiert wurden, laufen die Kirschen durch den Pulper. Mittels Walze werden die Haut und das Fruchtfleisch entfernt. Im letzten Schritt des Erntetages wird der geschälte Kaffee in Wasserbecken geleitet und über Nacht fermentiert. Am nächsten Morgen, wenn sich die Kaffeebohnen im Wasser rau anfühlen, so wie aneinander geriebene Steine, und das Wasser sämtliche Reste des Fruchtfleisches aufgenommen hat, wird der Kaffee erneut gewaschen.

Danach wird er auf großen Betonflächen innerhalb von 5 bis 6 Tagen unter der Sonne getrocknet. Hierbei werden die Bohnen mehrmals am Tag gewendet und während der Mittagssonne zum Schutz abgedeckt. Sobald eine Restfeuchtigkeit von 11 bis 12% erreicht ist, wird er in Säcke verladen und für 6 Wochen eingelagert. Nach dieser Ruhephase wird in der Dry Mill die Pergamenthaut von den Bohnen geschält und Defekte werden aussortiert. Im letzten Schritt wird unser elbgold-Logo auf die Säcke gedruckt und der fertige Kaffee darin abgefüllt.

Ungefähr zur gleichen Zeit, als die Säcke auf dem Weg zum Containerhafen waren und ich wieder mal versuchte, meinen Flieger zu erwischen, tauchte mein verlorener Koffer auf. Gerade rechtzeitig zum Check-In.

 

geschrieben von Basti
Head Roaster