Coffee Costa Rica Stories

Bei Roberto Mata in Costa Rica

Wer einmal in Costa Rica war, der weiß, dass es gar nicht so einfach ist, eine bestimmte Adresse zu finden. Konkrete Straßen und Hausnummern sucht man oftmals vergeblich. Stattdessen werden markante Gebäude als Orientierungshilfe genutzt. So suche ich also ein Gebäude 400m nördlich der Kirche und 200m westlich des Sportplatzes mit einem grünen Zaun. Das Haus von Roberto Mata und seiner Familie zu finden gestaltet sich dann aber doch einfacher als gedacht. Denn jeder im Ort kennt ihn. „Roberto? Na klar weiß ich, wo er wohnt. Bloß weiter die Straße entlang bis zu dem Haus mit den zwei großen Palmen in der Einfahrt.“ So einfach ist das manchmal!

Die Familie Mata verbindet eine langjährige Freundschaft mit Annika, Thomas und gefühlt dem ganzen elbgold Team aus Hamburg. Denn viele von uns waren selbst schon vor Ort auf seiner Farm und konnten sich einen Eindruck davon verschaffen, wie viel Arbeit es bedeutet, bis sich die besten Bohnen auf den Weg nach Hamburg machen. Schon fast seit der Gründung von elbgold ist Roberto mit von der Partie und beliefert uns direkt mit seinen köstlichen Bohnen. Gern weiht er uns ein in die Geheimnisse seines unverwechselbaren Kaffees, und so mache auch ich mich auf den Weg, um mehr über den Anbau von Speciality Coffee zu lernen.

Bei meiner Ankunft Mitte Februar befindet sich die Ernte bereits in den letzten Zügen. In den Wochen zuvor wurden die Kaffeefelder bereits mehrmals nach reifen Bohnen durchsucht. Um eine hohe Kaffeequalität zu gewährleisten werden dabei stets nur die reifen Kaffeekirschen per Hand gepflückt. Die gelben oder gar noch grünen Kaffeekirschen dürfen also noch etwas reifen. Damit wirklich nur reife Kaffeekirschen ihren Weg in die Kaffeesäcke finden, beschäftigt Roberto seit Jahren die gleichen Erntehelfer und legt Wert auf gute Arbeitsbedingungen und einen familiären Umgang.

Mein erster Tag als Azubi auf der Farm beginnt früh! Um 5:00 Uhr klingelt mein Wecker und nachdem wir gemeinsam unseren ersten Kaffee getrunken haben, stehen wir auch schon am Pulper, als langsam die Sonne aufgeht. „Wir“ – das sind übrigens Roberto und sein Sohn Michael (die ihr auf dem linken Foto seht), Enkel Eric und ich. Schnell wird mir klar, dass die ganze Familie mit dem Kaffeefieber infiziert ist. Alle helfen mit und jeder möchte mir genau erklären, wie man den optimalen Geschmack aus jeder Bohne herauskitzeln kann.

Aber zunächst einmal heißt es Anpacken. Im ersten Arbeitsschritt des Tages werden die Kaffeebohnen von ihrer Kirsche getrennt und gewaschen. Dazu wurde eigens ein neuer Pulper installiert. Über Rohrsysteme werden die Kaffeekirschen zunächst durch mehrere Wasserbecken geleitet, bevor sie schließlich in eine Art Mühle gelangen, die durch schnelle Rotation das Fruchtfleisch entfernt. Um bei diesem Prozess möglichst wenig Wasser zu verbrauchen, fängt der Pulper das Wasser am Ende immer wieder auf und hält es so lang wie möglich in einem geschlossenen Kreislauf. Das Resultat dieses Arbeitsschritts sind zwei mittelgroße Berge: Auf der einen Seite liegt das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche und auf der anderen die gewaschenen Kaffeebohnen.

Beides kann weiterverwertet werden. Während das Fruchtfleisch auf der Plantage als Dünger verwendet wird, beginnt für die Kaffeebohnen nun die heiße Phase. Und das ist wörtlich gemeint. Bis zu einer Woche werden die Bohnen nämlich zum Trocknen in die Sonne gelegt. Für Roberto, Michael, Eric und mich bedeutet dies, speziell in der Mittagshitze darauf zu achten, dass die Bohnen ständig gewendet werden. Sollten die Bohnen nämlich verbrennen oder ungleichmäßig trocknen, wirkt sich das natürlich erheblich auf den Geschmack des Kaffees aus. Und so verbringen wir knapp 10 Stunden des Tages damit, den Kaffee zu bewegen, bevor wir ihn abends mit Kaffeesäcken abdecken, um ihn vor Feuchtigkeit zu schützen.

Später am Abend nimmt mich Michael mit zu einer der drei Kaffeefelder der Familie, die sich alle unweit des Wohnhauses auf verschiedenen Höhen- und Hanglagen befinden. Während der Erntezeit sammelt er jeden Abend mit seinem 30 Jahre alten Chevrolet Truck die Tagesernte ein. Angekommen an der Farm begrüßt Michael alle Helfer persönlich. Wir wurden bereits erwartet, wie man unschwer an all den voll bepackten Kaffeesäcken erkennen kann.

In den letzten Tagen der Ernte wird besonders viel Kaffee gepflückt. Denn anders als in den Wochen zuvor werden nun sämtliche Bohnen gepflückt, die sich noch an der Pflanze befinden. „Die Säuberung der Kaffeepflanze“ nennt Michael das. Dies sei bereits der erste Schritt zur Pflege der Plantagen und zur Vorbereitung auf das kommende Erntejahr.

Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die besten Bohnen aber bereits im Rohkaffeelager von Roberto. Als wir zurück auf der Farm ankommen, ist es bereits dunkel und Roberto sitzt draußen auf der Veranda und bereitet einige Kaffeeproben vor. Ich setze mich zu ihm und helfe ihm, die grünen Bohnen in kleine 250 Gramm Tüten abzufüllen. Bei jeder Probe wird genau die Sorte, Höhenlage und der jeweilige Erntetag notiert. Als wir fertig sind, sagt er mir: „Die Proben gehen übrigens zu Thomas und Annika ins elbgold nach Hamburg. Mal schauen, für welchen Kaffee sie sich dieses Jahr entscheiden.“

Als ich nach einigen Tagen auf der Farm langsam meine Sachen zusammenpacke, sind die Vorbereitungen für das Erntedankfest bereits im vollem Gange. Jedes Jahr zum Ende der Ernte lädt Roberto alle Helfer und Freunde zu einem gemeinsamen Grillfest ein. Seine Frau Doris und Tochter Monica haben daher in den letzten Tagen viel Zeit in der Küche verbracht. Und wieder merkt man, Kaffeeanbau bei den Matas ist eine Familienangelegenheit.

Thomas und Annika haben sich übrigens auch in diesem Jahr wieder für einen Kaffee von Roberto entschieden. Costa Rica – Finca Saul kann ab sofort wieder frisch gebrüht in unseren elbgold Tassen genossen werden. Viel Spaß beim Probieren!

 

geschrieben von Marvin
Junior Business Development Manager