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Toskanischer Bio-Wein von „Podere di Pomaio“

Während sich das Taxi über die schmale Straße in die toskanischen Berge hinaufschlängelt, steigt meine Vorfreude immer mehr. Gleich sind wir da: bei Iacopo und Marco Rossi vom Bio-Weingut „Podere di Pomaio“, dessen wunderbaren toskanischen Rosé und Rotwein wir bei uns im elbgold schon seit letztem Jahr genießen dürfen. Ich kenne die beiden Brüder noch nicht persönlich, aber Annika und Thomas waren schon zu Besuch auf dem Weingut, das 600 Meter hoch in den toskanischen Bergen bei Arezzo liegt. Daher freue ich mich sehr, Iacopo und Marco nun auch kennenzulernen und mehr über ihre Weine, den Anbau und die Weinherstellung zu erfahren.

Bei meiner Ankunft werde ich herzlich von Marco und Iacopo empfangen. Und die traumhafte Umgebung tut ihr Übriges – mit weitem Blick über die Chianti Region, eingerahmt von Weinbergen, alten Obstbäumen und den für die Toskana so typischen Zypressen. Einfach ein wunderschöner Ort, den die Familie hier geschaffen hat!

Denn in der Tat sah es hier nicht immer so aus. Die Region ist zwar für den Weinbau bekannt, doch nach dem zweiten Weltkrieg lag das Areal lange brach, bis die Rossis es 1991 kauften. Danach folgten zehn Jahre Umgestaltung.

Iacopo, der Ältere der beiden Brüder, studierte während dieser Zeit Weinbau und fing Anfang der 2000er mit der Planung des Weinbergs an. 2004 wurden die ersten Weinstöcke gepflanzt.

Heute, 2018, ist von den Anfängen nichts mehr zu sehen. Über 3 Hektar erstrecken sich die Sangiovese- und Merlot-Reben. Sangiovese macht mit 2,5 Hektar den Großteil aus. „Eine sehr edle und elegante Rebsorte“, erklärt mir Marco, der mich über den Weinberg führt. „Quasi der Arabica der Weinwelt“. Übrigens nicht die einzige Parallele zwischen Wein und Kaffee, wie wir an diesem Tag feststellen werden!

Wir stehen kurz vor der Lese. Und das sieht man den Trauben auch an. Mitte September wird ein Teil des Sangiovese geerntet, um Rosé für den nächsten Sommer zu produzieren. Ende September folgt dann die Ernte für die Rotweine, darunter auch Chianti Riserva, den wir bei uns im elbgold haben. Seit 2014 experimentiert Iacopo Rossi auch mit Natural Wine, dessen erster Jahrgang gerade auf den Markt gegangen ist.

Die toskanische Sonne ist zu dieser Jahreszeit noch stark. Um die 30 Grad sind es gerade, Mitte September. Iacopo und Marco hoffen, dass das Wetter so kurz vor der Lese nicht umschlägt, damit die Trauben noch schön viel Zucker entwickeln.

Da die Weine der Brüder Rossi Bio-zertifiziert sind, interessiert mich eine bestimmte Frage natürlich brennend: „Was unterscheidet ein Bio- von einem normalen Weingut?“

Marco: „Wir nennen uns ‚Green Winery‘. Das heißt, dass unsere Weine bio sind. Um zu gewährleisten, dass die Trauben gesund wachsen, verwenden wir ausschließlich natürliche Mittel, beispielsweise grünen Kompost. Außerdem lassen wir das Gras auf dem Weinberg bis zum Juni eines jeden Jahres hoch wachsen. So dient es als natürliche Barriere zwischen den Weinstöcken. Die Trauben selbst schützen wir nur von außen, beispielsweise durch natürliche Bakterien und Propolis. Entscheidend für hochwertige Bio-Weine sind das richtige Klima und der Boden, in unserem Fall eine steinreiche und dadurch sehr mineralische Erde. Und das hat Iacopo schon bei der Planung des Weinbergs berücksichtigt.

‚Green‘ bedeutet für uns darüberhinaus nicht nur bio, sondern auch nachhaltig. Wir arbeiten nach dem Credo ‚Re-Duce, Re-Cycle, Re-Use, Re-Think‘. Das beinhaltet auch nachhaltige Verpackungen, Solaranlagen sowie den Bau eines Niedrigenergiehauses. Die Steine aus dem Weinberg haben wir zum Bau des Weinkellers verwendet. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern sorgt auch für ein natürliches Raumklima. Wir möchten unser Weingut gut vorbereitet an die nächste Generation weitergeben.“

Wir machen uns auf den Weg zum gerade erwähnten Weinkeller. Hier lagern Chianti, Rosé, Merlot, Natural sowie einige Raritäten, die in Barrique-Fässern veredelt werden. Mit 15.000 Flaschen im Jahr ist „Podere di Pomaio“ ein eher kleines Weingut. Abgefüllt wird direkt im Weinkeller, um die Qualität zu gewährleisten.

Natürlich verkosten wir an diesem Tag auch ein paar Weine. Dafür hat Marco drei unterschiedliche Rotweine ausgewählt, die wir nacheinander probieren. Marco kümmert sich im Familienbetrieb nicht nur um Marketingfragen, sondern kann als gelernter Sommelier auch viel zum Thema Sensorik vermitteln.

Der erste Wein, den wir verkosten, ist der erste Jahrgang des bereits erwähnten Natural Wines. „Man kann Wein bis zu 350 Stoffe hinzufügen. Die Idee von Natural Wine ist jedoch, so wenig Zusatzstoffe wie möglich und so viel wie nötig hinzuzufügen. Und das sind im besten Fall nur ein bis zwei Stoffe!“, erzählt Marco. „Bei unserem Natural ‚Pomaio origini‘ fügen wir nur geringe Mengen an Schwefel zu, sonst nichts.“

Der Natural riecht und schmeckt nach spritzigen Himbeeren und hat eine präsente Säure. Auf den ersten Schluck etwas unangepasster als man es von einem klassischen Rotwein kennt. „Bei dieser Art von Wein liegt der Fokus auf Fruchtsäure und Mineralität. Eigentlich wie beim Specialty & Third Wave Coffee. Der ist ja auch fruchtbetonter und dadurch für manch einen ungewohnter.“

Der zweite Wein, den wir verkosten, ist der „Chianti D.O.C.G. Riserva“, den wir auch im elbgold ausschenken. Ein Cuvée aus 90% Sangiovese und 10% Merlot, welcher zwei Jahre lang gelagert wurde. Ich schmecke mehr Körper und schöne Brombeernoten. Marco stimmt mir zu und ergänzt Schokolade. Stimmt! Mein Sensorik-Training durch die zahlreichen Cuppings im elbgold macht sich also auch beim Thema Wein bemerkbar!

Marco schenkt uns den dritten und letzten Rotwein unserer Verkostung ein. Dieser trägt den Namen „Porsenna“ und wurde unter anderem ein Jahr lang im Barrique-Fass aus Kastanienholz gelagert. Er riecht und schmeckt nach Trockenpflaumen. Die Tanine dieses Weins fordern binnen Sekunden einen Gegenpart, denn sie legen den Mund quasi trocken. Iacopo schwärmt von einem Schmorrgericht, das toll passen würde. Zum Glück haben wir zum Wein eine leckere Auswahl an Käse, Schinken und Brot auf dem Tisch – alles regionale Spezialitäten.

Mit der Weinverkostung endet mein Tag auf dem Weingut. Ein Tag, an dem ich so viel Neues gelernt habe und der definitiv meine Begeisterung für Weine geweckt hat. Falls euch das Thema auch interessiert: „Podere di Pomaio“ bietet auch private Weintouren an. Mehr Infos gibt es auf ihrer Website. Grazie mille, Iacopo und Marco, für eure Gastfreundschaft und das tolle (Geschmacks)erlebnis! Wir sind auf die neue Ernte gespannt!

 

geschrieben von Rike
Social Media Managerin

Die Milch vom Milchhof Reitbrook

Im Juni machten Rike und ich uns bei schönstem Sonnenschein auf den Weg ins Grüne. Raus aus der Schanze und rein in die Natur, genauer gesagt in die Vier- und Marschlanden im Südosten Hamburgs. Unser Ziel: der Milchhof Reitbrook, von dem wir unsere frische Landmilch beziehen.

Statt mit dem Auto fuhren wir mit der S-Bahn und die letzten Kilometer dann mit dem Rad. Eine super Idee! Denn sobald wir auf dem Sattel saßen, kam ein richtiges Urlaubsgefühl in uns hoch und wir machten immer wieder Pause, um den tollen Ausblick zu genießen, bevor wir schließlich unser Ziel erreichten.

Eine idyllischere Lage kann man sich für einen landwirtschaftlichen Betrieb fast nicht wünschen. Umgeben von Wasser, grünen Wiesen, soweit das Auge reicht, und Natur Pur profitieren auch die Milchkühe von der schönen Landschaft. In der warmen Jahreszeit, genauer gesagt von Anfang Mai bis Oktober, verbringen sie nämlich einen Großteil des Tages auf der Weide, welche direkt an den großen, weitläufigen Freilaufstall angrenzt. Und das schmeckt man!

Das muss auch Thomas geahnt haben, als er als Jugendlicher durch seinen Schülerjob beim Naturschutzbund oft in der Reit unterwegs war und eines Tages den Milchhof entdeckte. Seitdem radelte er regelmäßig zum Hof von Gerd und Ingrid, um ihre leckere Landmilch zu holen. Die Liebe zum Milchhof blieb und als Annika und Thomas 2004 das erste elbgold eröffneten, war klar, mit welcher Milch sie arbeiten wollten.

Wir sind sehr glücklich, dass diese Kooperation entstanden und mit den Jahren gewachsen ist. Das kommt nicht nur dem Milchhof zugute. Auch unsere Baristi lieben die Reitbrook Milch mit ihrer leichten Süße und dem frischen, cremigen Geschmack – und ihr ganz offensichtlich auch! Man munkelt, dass inzwischen zehn Kühe fürs elbgold arbeiten ;-). Tendenz steigend!

Wir wurden wahnsinnig herzlich empfangen und erhielten prompt eine kleine Hofführung von Jan-Hendrik, der den Betrieb 2016 von seinen Eltern Gerd und Ingrid übernommen hat.

So bekamen wir unter anderem die Molkerei, den Verkaufsladen sowie die verschiedenen Ställe zu sehen, in denen die rund 330 Tiere untergebracht sind. Und während „die Großen“ ihren Freigang auf der Wiese genossen, schauten wir bei den Kälbern und den trächtigen Kühen vorbei, die ihre eigenen Ställe haben. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit und stellten Jan-Hendrik ein paar Fragen.

Im elbgold verwenden wir ja eure Landmilch. Einigen Menschen ist vielleicht gar nicht bewusst, was Landmilch eigentlich genau bedeutet. Worin besteht denn der Unterschied zu herkömmlicher Milch aus dem Supermarkt?

Jan-Hendrik: Unsere Landmilch wird noch traditionell auf nur 73,5°C erhitzt. Ansonsten wird sie nicht weiter bearbeitet, also weder homogenisiert, noch im Fettgehalt verändert. Und das schmeckt man auch! Wir sind außerdem sehr froh, dass wir unsere Milch direkt vertreiben können und damit unabhängig von den Milchpreisen der Industrie sind. Nur so können wir die hohe Qualität unserer Milch gewährleisten.

Man hört ja wirklich nur Gutes über eure Milch. Wurde eure Arbeit in der Vergangenheit eigentlich mal ausgezeichnet, zum Beispiel anhand eines bestimmten Zertifikates?

Jan-Hendrik: Unsere Vorzugsmilch ist in den letzten Jahren immer wieder mit der DLG Goldmedaille ausgezeichnet worden. Und als Grundlage für alle anderen Produkte kann man die Auszeichnung auch darauf beziehen.

Wie bist du eigentlich zu deinem Beruf gekommen? War dir schon immer klar, dass du den Hof eines Tages weiterführen wirst?

Jan-Hendrik: Natürlich bin ich auf dem Hof groß geworden und es hat mich immer schon interessiert. Und natürlich hat man auf die Frage „Was willst du mal werden?“ Bauer geantwortet. Aber es hat mich dann später auch nicht wirklich losgelassen und so haben sich Ausbildung und Studium wie selbstverständlich angeschlossen. Wobei ich dann nach dem Studium für sechseinhalb Jahre im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg gearbeitet habe. Doch die Grundbegeisterung ist immer geblieben und so steh ich dann nun doch hier.

Geführt wird der Hof heute übrigens von Jan-Hendrik Langeloh und Rainer Kohrs. Die beiden hatten früher benachbarte Betriebe, die sie Ende der 90er Jahre zur Milchhof Reitbrook GbR zusammenschlossen. Unterstützt werden sie dabei von 35 Mitarbeitern – nicht nur in der Landwirtschaft, der Molkerei und im Büro, sondern auch von inzwischen 14 Fahrern, die die Milch in der Umgebung ausliefern und natürlich auch zu uns ins elbgold! Seit nun 400 Jahren sind ihre Höfe in Familienbesitz und das soll sich so schnell auch nicht ändern!

So langsam mussten wir uns vom idyllischen Milchhof im Grünen verabschieden … mit seinen neugierigen Kühen (die Rike’s Kamera äußerst interessant fanden und wie die Weltmeister posierten), den entzückenden Kälbern und all den anderen Tieren (sogar Hühner und Kaninchen gab es! Womit man uns Stadtkinder so begeistern kann!). Noch ein letztes Mal den Hofhund streicheln und dann ging es wieder ab aufs Fahrrad, entlang der wunderschönen Landschaft, einem kurzen Stopp an der Dove-Elbe, zurück in Richtung Schanze.

Vielen Dank an Jan-Hendrik und das ganze Team für den herzlichen Empfang und den schönen Tag auf dem Milchhof Reitbrook! Wir freuen uns aufs nächste Mal!

 

Text: Jan (Praktikant)
Fotos: Rike (Social Media Managerin)